Erfahrungsberichte

Liebe Patientinnen und Patienten!

Ich habe folgenden Erfahrungsbericht ausgesucht, um die Art und Weise zu verdeutlichen, wie ich arbeite. Ich möchte insbesondere einen Einblick vermitteln, auf welch tiefe Art und Weise der Körper mit unserem seelisch-geistigen Anteil verbunden ist. Und wie zugleich all unsere Lebenserfahrungen bis in den Körper hinein gespeichert sind. Nichts, was wir erleben, geht spurlos an uns vorbei! Eine Behandlung ist dann besonders befreiend, wenn sie bis ins Körperliche erlebt wird. Sei es durch ein Gespräch oder durch die Berührung.

Ich möchte jedoch betonen, dass jede Behandlung anders ist und anders erlebt wird, es gibt also kein „so sollte es sein“, kein Standardvorgehen, keine einzige Therapiesitzung ist folglich gleich.

Fußschmerzen. Ein Erfahrungsbericht.

„Ich stellte mich wegen Schmerzen an meinem rechten Fuß vor. Diese Schmerzen sind erstmals aufgetreten, als ich mir den Fuß nach einem freiwilligen Sprung aus dem Fenster (in suizidaler Absicht) nach einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung mit meinem Vater im Alter von ca. 13 Jahren gebrochen hatte. Zwischenzeitlich waren die Schmerzen weg gewesen und jetzt seit einigen Wochen ziemlich stark zurückgekommen. Dieses für mich schreckliche Ereignis damals war bislang nie mehr thematisiert worden und in Vergessenheit geraten. Offensichtlich war es aber in meinem Unterbewusstsein verankert geblieben.

Bei der Behandlung wurde der Fuß zunächst umschlossen und gehalten. Eine angenehme Wärme durchströmte ihn für eine lange Zeit. Interessanterweise kamen in der Zeit innere Themen wie Wut gegen meinen Vater und das Gefühl, vernachlässigt worden zu sein in mir hoch. Das war für mich überraschend, da ich auf der intellektuellen Ebene (scheinbar) seit langem Frieden mit meinem Vater geschlossen hatte. Dann begann der Fuß zu zucken und sich zu bewegen. Nach und nach durchschüttelte es meinen ganzen Körper, Tränen kamen, zusammen mit starkem Gähnen und Zittern. Ich hatte das Erlebnis, diese verborgenen Gefühle auf der tiefsten Ebene, nämlich bis ins Körperliche hinein, zu erfahren. Das Weinen, Zittern und Gähnen habe ich als befreiend erlebt, wie ein Ventil. Es war wie eine Transformation, ein Freiwerden an Lebenskraft, die davor irgendwie festgehalten und gebunden war. Erstaunlicherweise wurde mir durch diese Sitzung bewusst, dass ich meine innere Stärke nur durch das Verhalten meines Vaters erlangen konnte! Ich konnte jetzt endgültig meinen Frieden mit ihm finden. Meine Schmerzen sind dabei wie nebenher deutlich besser geworden.

In einer weiteren Sitzung entdeckten Sie auch die Stelle, an der ich lange Zeit einen suprapubischen Blasenkatheter hatte. (Anmerkung: darunter versteht man einen kleinen Schlauch, der durch den Unterbauch bis in die Harnblase gelegt wird, um den Urin abzulassen, wenn eine Abflussstörung der Harnröhre vorliegt.) Diese Stelle und meine Operationsnarbe am Bauch, die zweimal geöffnet wurde, habe ich immer als „Blockade“ erlebt. Darunter fühlte es sich an, als läge dort ein „Fels“, was ich als sehr unangenehm empfand. Sie haben diese Stelle sehr schnell und ohne Erläuterungen durch mich entdeckt und lange diesen Schmerzpunkt (mein „Katheterschmerz“) gehalten, bis der Schmerz nach und nach weniger wurde. Von da aus wurde die Kaiserschnitt-/OP-Narbe auf die gleiche Weise behandelt und ich hatte das Gefühl, dass der Fels nach und nach kleiner wurde bzw. sich Teile abspalteten. Auch diese Behandlung ging mit Zittern, Gähnen und Weinen einher (eigentlich weine ich nie soviel…) und es lösten sich auch wieder einige Emotionen. Zuletzt kamen noch einmal die Erinnerungen an diese Schmerzen körperlich fühlbar zum Vorschein. Ich habe diesen alten Schmerz nochmal durchlebt (und wieder sehr geweint, so dass es mich geschüttelt hat) und dann loslassen können.

Auf meinem Unterbauch hatte ich schon jahrelang kein Gefühl mehr wahrnehmen können (außer Druck, wenn ich fest genug gedrückt hatte). Jetzt hatte ich das Gefühl, dass da auf einmal ganz viel Energie durchfloss, die Stelle ganz warm und schwer wurde und ich zum ersten Mal seit langem die tatsächliche Berührung an sich spüren konnte.

Nach den beiden Behandlungen lag ich jedes Mal recht schwer auf dem Behandlungstisch. Es war ein Gefühl der Erschöpfung, die einige Zeit anhielt. Es war eine Zeit, in der ich mich neu sortieren und orientieren konnte. Ich habe aus den Sitzungen ganz viel für mich aus der Vergangenheit erkannt, was ich in die Zukunft mitnehmen möchte. Sie halfen mir, einige Dinge klarer zu sehen. Körperlich erlebe ich ein Gefühl der Freiheit im Beckenbereich und im Bein. Ich bin unheimlich dankbar für diese Begegnung, die mir aktuell einiges an Leichtigkeit ermöglicht.“

Fuß ist nicht gleich Fuß

Meine Erfahrung zeigt: Jede Situation ist einzigartig. So stellte sich eine weitere Patientin mit Fußschmerzen vor, äußerlich mit ähnlicher Vorgeschichte (es lag auch hier in der Vergangenheit ein Unfall vor). In der Behandlung entwickelte sich jedoch ein vollkommen anderes Vorgehen, dadurch dass es sich hier um ein mechanisches Problem gehandelt hat. Emotionale Erlebnisse standen nicht im Vordergrund. Statt betroffene Stellen zu halten, um Sicherheit zu vermitteln, damit sich gespeicherte Ereignisse überhaupt erst zeigen können, war hier die Behandlung entsprechend dem zugrunde liegenden Problem eher „mechanisch“. Das bedeutet, meine Behandlung orientierte sich dann an der über die Zeit entwickelten Fehlstellung des Fußgelenkes und diente dem Zweck, der entsprechenden Region wieder die natürliche Haltung „beizubringen“. Die Muskulatur musste sich erst an neue Spannungsmuster gewöhnen, sodass die Behandlung für die Patientin nicht ganz schmerzfrei verlief. Danach beschrieb die Patientin ihr Körpergefühl als befreiend, erleichternd, wie neu geboren.